Der Steiger
H. Kaun
Men's Chorus:
Noch liegt die Flur im Dämmerschein der Nacht,
der letzten Sterne Licht beginnt zu bleichen.
Auf, Bergmann, auf! Die Ruhe ist zu End.
Greif hurtig in des großen Triebwerks Speichen.
Alto Solo:
Nur einem Blick wirft Steiger Simon schnell
aufs traute Heim, wo ihn, auf Traumeswegen
noch wandelnd, hold sein Kind, sein Glück, begrüßt.
Dann eilt er froh dem Tagewerk entgegen.
Alto Solo with Men's Chorus:
Sein Pfad führt ihn durch blum'gen Wiesengrund,
An jedem Grasholm funkeln Diamanten.
Tautropfen von der Sonne Strahl geküßt.
Die schöne Welt ist wieder neu erstanden.
Schon ruft das Glöcklein, mahnt zur ernsten Pficht.
Es füllt sich schnell die schmucklos kleine Halle.
Ein frommer Sang; ein still Gebet zum Herrn.
Und festes Gottvertraun erfüllet alle.
Alto Solo:
Nun eilt er frisch ans Werk, denn heute gilt's,
den Durchbruch nach dem alten Schacht vollenden.
Nur heißem Mühen blühet der Erfolg.
Er liegt in euren arbeitsfrohen Händen.
Men's Chorus:
Es fahren Zimmerling und Hauer ein
auf steilen Leitern zwischen schwarzen Wänden.
Stumm gähnt des Stollens ewig finstre Nacht;
nur heir und da ein schwaches Licht der Blenden.
Men's Chorus:
Und selten hallt ein Ruf ein Wort. Es kann
kein Laut von oben in die Tiefe dringen,
Der Fäustel klopft. Dumpf dröhnt der Haue Schlag.
“Nur unverzagt! Das Werk muß uns gelingen.”
Men's Chorus:
Vor Ort ist Simon unermüdlich schier.
Die heut'ge Schicht noch muß den Durchbruch bringen.
Er feuert jeden an durch eigne Tat.
Hindurch hört er's im Geist schon klingen.
Schicht wechsel naht heran. Da schlägt mit Wucht
durch eine letzte Wand noch Simons Haue.
“Glück auf!” ruft er, “das große Werk gelang.”
Scharf strömt die Luft herein vom alten Baue.
Alto Solo with Men's Chorus:
Da zuckt's hell auf! Er steht wie fest gebannt.
Ein blendend Licht heißt ihn das Auge schließen.
Unheimlich surrt's und klingt es ihm im Ohr.
Vom Durchbruch her ein magisch Schimmern fließen.
Und an den Wänden läuft es entlang;
Bläuliche Flammen! Spukhaft und bang,
huschen dahin sie, einen sich schnell
trennen sich wieder, aufblitzend grell.
“Schlagwetter! Fort!
Fliehet vom Ort!”
Aus allen Kehlen der furchtbare Schrei:
Herr gott in Himmel stehe uns bei!
Da plötzlich fährt ihm mit lautem Gezisch
eine mächtige Flamme entgegen.
Es schleudert ihn fort. Eine Flammen meer loht.
Lauf dröhnt es von Donnernden Schlägen.
Alto solo:
Nun alles wieder still. Das Bergwerk ruht
nach schwerem Kampf in geister heftem Schweigen.
Am Firmament erglüht ein goldner Stern
und will den Weg zur ew'gen Ruhe zeigen.
Alto Solo and Chorus:
Bergglöcklein tönt. Der Kameraden Schar
steht still am Grab im Abend sonnenglühen.
Fernchor, Men's Chorus, and Alto Solo:
Nun fahre ein zur letzten langen Schicht.
Ruh, Bergmann, aus von deines Lebens Mühen.