Grüß Gott!

H. Kaun

Im Staube zog ich

Die Straße entlang,

Die Füße matt,

Und das Herze krank.

Da trollte an mir

Ein Bursch vorbei,

Der schwang seinen Hut

So frank und frei:

"Grüß Gott!"

Nun horchte ich auf,

Wie das Bächlein sprang,

Was die Linde rauscht'

Und das Vöglein sang,

Was der säuselnde Wind

Trug gen Himmel empor --

Es war ein Jubel

Im vollen Chor:

"Grüß Gott!"

Da spürt' ich erst recht

Die Sonne im Feld,

Den wonnigen Mai

In der blühenden Welt;

Mein Kummer zerfloß,

Ich wußte nicht wie,

Und lauter stets jauchzt' ich

Die Melodie:

"Grüß Gott!"