Roter Mohn

H. Kaun

Rote Flammen - so glüht der Mohn,

Strotzend schwellen die Ähren,

Durch das Feld schwirrt Grillenton,

Leis, wie aus fernen Sphären.

Über den Halmen im Einerlei

Führen die Mücken den Reigen,

Heimlich bebend wandeln wir zwei

Durch das lüsterne Schweigen.

Wie Du an meiner Seite gehst,

Fühl ich Dein Herze pochen,

Wie Du mir scheu ins Antlitz spähst,

Ist all dein Trotz gebrochen.

Komm und versage Dich länger nicht --

Heilig ist diese Stunde;

Beut Dein duftiges Angesicht

Meinem dürstenden Munde!

Zwischen Ähren und rotem Mohn

In dem göttlichen Schweigen,

Jedem Späherauge entflohn --

Komm! Du bist mein eigen! --