Sommernacht
H. Kaun
Durch die stille Sommerpracht
tiefe Brunnen hör' ich rauschen;
Sternenglanz und Erdennacht
seh' ich stumme Grüße tauschen.
Was in Tageslärm verhallt,
was verblasst im Sonnenreigen,
drängt mit brünstiger Gewalt,
sich zu heben, sich zu neigen.
Tief aus meines Wesens Grund
fühl' ich Lebensquellen brechen,
sehnsuchtsvoll, mit heißem Mund
Niegesproch'nes auszusprechen.
Und hinan zur Sternenpracht,
und herab zu ird'schen Schranken
fluten durch des Herzens Schacht
ew'ger Geister Lichtgedanken.