Werdet wie die Kinder!

H. Lannoy

Unter Druck und Angst hienieden,

Seufzet unser banges Herz,

Sehnt vergeblich sich nach Frieden,

Findet nichts als Qual und Schmerz.

Zweifel drohen seinem Glauben,

Seiner Liebe Haß und Neid,

Ja, die Hoffnung selbst zu rauben,

Decket Nacht die Ewigkeit!

Gottheit, die dieß arme Leben

Uns allmächtig eingehaucht,

Hast du's darum uns gegeben,

Daß es sich in Schmerz nur taucht?

Nein, wir sollen schon auf Erden

Unsers Daseyns hoch uns freu'n;

Laßt uns wie die Kinder werden,

Und wir werden glücklich seyn!

Kinder glauben! Jede Blüthe,

Jedes Würmchen, jeder Laut

Sagt dem kindlichen Gemüthe:

Diese Welt hat Gott gebaut.

Wie ein Paradieseswächter

Schützet fromme Einfalt sie

Vor dem zweifelnden Verächter

Ewig reiner Harmonie.

Kinder lieben! In dem Schooße

Warmer Liebe blüh'n sie auf;

Mutterliebe, wandellose,

Leitet ihren zarten Lauf.

Und sie sollten fort sich sehnen

Aus der Liebe sel'gem Land?

O, des Hasses bittre Thränen

Bleiben ihnen unbekannt!

Kinder hoffen! Sonnenhelle

Baut der Zukunft gold'nes Thor

Auf der Jugend grüner Schwelle

Sich zu Himmelshöh'n empor.

Und mit jedem Morgenrothe,

Und mit jedem Sternenschein

Zieht der Freude Götterbothe

Durch die Pforte segnend ein.

Hat uns also Leid betroffen,

Das des Herzens Frieden bricht,

Laßt uns wie die Kinder hoffen,

Ihre Hoffnung täuschet nicht.

Laßt uns glauben noch auf Erden,

Laßt uns lieben kindlich rein!

Laßt uns wie die Kinder werden,

Und wir werden glücklich seyn.