O, Nacht zwar schwarze

H. Lie

O Nacht! Zwar schwarze, aber linde Zeit

mit Frieden überwindend jedes Streben

wer Recht sieht und versteht, muss dich erheben,

und wer dich ehrt, ist voll Verständigkeit.

Du brichst das matte Denken ab,

zersägst und nimmst es ein mit feuchter Ruh' und Schwere

während du mich, wohin ich oft begehre

im Traum von unten ganz nach oben trägst.

Schatten des Sterbens! Nur vor dir macht Halt,

was Herz und Seele feind ist, immer wieder.

Letzte Bedrückten gute Arznei.

Du heilst die schwache fleischliche Gestalt,

machst Tränen trocken, legst das Müde nieder

und Zorn und Ekel gehen an dir vorbei.