Der Gefangene

Marschner, Heinrich

Es rauschen Tage immerfort

Vorüber,

Sie bringen nicht der Freiheit Hort

Herüber,

Nach Freiheit seufzt im bittern Schmerz

Aus düstrer Kerkernacht mein Herz.

Zum Fenster fliegt mein scheuer Blick

Mit Thränen,

Ich denke an der Freiheit Glück

Mit Sehnen.

Der Himmel glüht -- ein ros'ger Kranz --

Das ist der schönen Freiheit Glanz!

Zephyre fächeln rings die Luft

Mit Kosen,

Es hauchen zarten, süßen Duft

Die Rosen;

Und Wolken ziehn auf Wolken hin, --

O, daß ich nicht bei ihnen bin!

So schweben, lichten Wolken gleich,

Die Freuden

Zum düstern, dumpfen Schattenreich

Und scheiden.

O, laßt mich weilen noch im Licht!

Ach, ich genoß das Leben nicht!

Entreißt mich nicht dem schönen Traum,

Dem süßen!

Des Lebens Frühling durft' ich kaum

Begrüßen.

Für die Geliebte schlug mein Herz --

Was ward mir? -- Nur der Sehnsucht Schmerz! --

So singt der Jüngling gramerfüllt

Sein Leiden;

Er muß in Kerkernacht gehüllt

Sie

meiden,

Doch hin zu

ihr

, durch Zeit und Raum,

Schwingt sich sein Herz im süßen Traum!