Der Prager Musikant

Marschner, Heinrich

Mit der Fiedel auf dem Rücken,

mit dem Kappel in der Hand,

ziehn wir Prager Musikanten

durch das weite Christenland.

Unser Schutzpatron im Himmel

heißt der heil'ge Nepomuk

steht mit seinem Sternenkränzel

mitten auf der Prager Bruck.

Als ich da hinaus gewandert,

hab' ich Reverenz gemacht,

ein Gebet ihm aus dem Kopfe

recht bedächtig hergesagt.

Steht also in keinem Büchel,

wie man's auf dem Herzen hat:

Wanderschaft mit leerem Beutel

und ein Schätzel in der Stadt.

Wenn das Mädel singen könnte,

wär's gezogen mit hinaus,

doch nun hat's `ne heis're Kehle,

müßt' es las-sen drum zu Haus.

Ei, da gab es nasse Augen,

`s war mir selbst nicht einerlei:

sprach itzt:' `S ist ja nicht für ewig,

schönstes Nannerl, laß mich frei!

Und ich schlüpft' aus ihren Armen,

aus der Pforte, aus dem Haus,

konnt' nicht wieder rückwärts schauen,

bis ich war zur Stadt hinaus.

Da hab' ich dies Lied gesungen,

hab' die Fiedel zu gespielt,

bis ich in den Morgenlüften

auf der Brust mich leicht gefühlt.

Manches Vöglein hat's vernommen,

flög' nur eins an Liebchens Ohr,

säng' ihr, wenn sie weinen wollte,

dieses frische Liedel vor!

Wenn ich aus der Fremde komme,

spiel' ich auf aus anderm Ton,

Abends unter ihrem Fenster: Schätze!,

Schätzel, schläfst du schon?

Hoch geschwenkt den vollen Beutel,

das gibt eine Musika!

's Fenster klirrt, es rauscht der Laden,

heilige Cäcilia!

All' ihr Prager Musikanten, auf,

heraus mit Horn und Baß,

spielt den schönsten Hochzeitsreigen!

Morgen leeren wir ein Faß.