Die Geliebte
Marschner, Heinrich
Auf Berg und Thal ruht dunkle Nacht,
Kein Lüftchen athmet mehr;
Und nur der Mond in stiller Pracht
Streut sanftes Licht umher.
Und freundlich an des Baches Moos
Lockt mich sein goldner Schein;
Da nimmt in seinen Blüthenschoos
Ein Hüttchen still mich ein.
Und sehnsuchtsvoll erblick ich sie,
Die sich mein Herz erkohr;
Der in geheimer Sympathie
Ich ew'ge Liebe schwor.
Sie glänzt so sanft, sie strahlt so licht,
Ein Kranz von Rosen schwebt
Ihr lächelnd um das Angesicht
Mit Immergrün durchwebt.
Kristallenhell ihr Auge glüht,
Ihr Kleid ist silberweiss,
Und um den vollen Busen blüht
Der Lilienflor des Mais.
Der Himmel lacht in ihrem Blick,
So wunderschön und mild,
Und tausendfach strahlt sie zurück
Der Anmuth hohes Bild.
Wohl in des Lenzes schönsten Duft
Ward ihre Stirn getaucht.
Sie flüstert sanft, wie Zephirluft
Um junge Blumen haucht.
Doch klag' ich ihr den stillen Schmerz,
Der Liebe süße Pein;
Dann blickt ihr Auge himmelwärts
Von ird'scher Regung rein.
Und ihren Namen, -- nenn' ich ihn
Den Hörern allzumal? --
Es ist, gefaßt in zartes Grün,
Die Quelle dort im Thal.