Die Schifferin am Strande

Marschner, Heinrich

Sanft fließt im Golf die Welle

und glänzt im Sonnenblick,

der Himmel goldig helle,

doch Petro nicht zurück?

So harrt im bitter'n Harme

die Schifferin am Strand,

ihr jüngstes Kind im Arme,

das ält're an der Hand.

Pietro lenkt den Nachen

wohl sonst mit starker Faust,

ob Sturm und Donner krachen

und hohl das Meer erbraust.

Pietro, kehre wieder!

So irrt sie angstgepresst

am Ufer auf und nieder

und drückt die Kindlein fest.

Zwei volle lange Tage

irrt weinend sie umher,

versinkt in bitt're Klage

am dritten dumpf und schwer.

Die Sonn' im Meer versinket,

manch Ruder glänzet licht,

manch schwellend Segel blinket,

Lenore sieht es nicht.

Sie sitzt mit starren Blicken,

sieht nicht, wie wohlbekannt

auf blauem Meeresrücken

ein Leichnam treibt ans Land.