Die Vertraute
Marschner, Heinrich
Liebe, tief verborgen,
Liebeslust und Sorgen,
Quelle, will ich dir vertrauen!
Deinem sanften Rauschen
mag ich gerne lauschen,
hör' auch,
du sollst in mein Herz nun schauen.
Alle die Gedanken
sonder Rast und Wanken
nun zu der Geliebten eilen!
Aber ach, ich weiß nicht,
ob zu mir ihr Herz spricht,
ob mein Lieben sie mag teilen.
Sie, für die ich lebe,
Seel' und Herz hingebe,
eilt oft ohne Gruß vorüber.
Ihre Blicke senkt sie,
sage, woran denkt sie,
wenn ihr Auge träumend blickt hinüber?
Sage, o sage:
Wenn im Abendscheine,
ruhelos, alleine
sie durch Wald und Wiese eilet,
wenn sie Blumen pflücket,
achtlos sie zerdrücket
und am Hügel sinnend weilet?
Lieblich rauschst du weiter,
tönest mild und heiter,
Hoffnung bringend meinem Herzen.
Wohl, noch heute wag' ich's,
heute Abend sag' ich's,
o, vielleicht, Geliebte, heilst du meine Schmerzen.