Die Wette
Marschner, Heinrich
Drei Burschen mit roten Nasen
Beim Becher zusammensaßen.
Hoch lebe der Wein!
Ein Franzmann und ein Brite,
Ein Deutscher war der Dritte.
Juchhe, juchhei!
Der Wein macht frei,
Es lebe, es lebe der Wein!
Der Wächter machte die Runde
Zur mitternächtigen Stunde.
Hoch lebe der Wein!
Die Burschen täten ihn hören
Und ließen sich nicht stören.
Juchhe, u. s. w.
Der Franzmann ließ am Ende
Still ruhen Mund und Hände.
Hoch lebe der Wein!
Den Briten tät's verdrießen,
Sich wieder einzugießen.
Juchhe, u. s. w.
Der Deutsche trank mit Behagen,
Der pflegte gern zu sagen:
Hoch lebe der Wein!
Halt' ich's nicht mehr mit dem Nassen,
Mag mich der Teufel fassen.
Juchhe, u. s. w.
Der Teufel hat's vernommen,
Der Teufel ist gekommen,
Hoch lebe der Wein!
„Wohlan, du schnöder Zecher,
Ergreife jetzt den Becher!“
Juchhe, u. s. w.
Sie tranken ohne Gleichen,
Und keiner wollte weichen.
Hoch lebe der Wein:
Dem Teufel ward schlimm und schlimmer
Dem Deutschen schmeckt' es noch immer.
Juchhe, u. s. w.
Und wie die Glocke Eins schlug,
Zerschmettert der Teufel den Weinkrug.
Hoch lebe der Wein!
„Ich habe die Wette verloren,
Doch sag', welch' Land dich geboren?!“
Juchhe, u. s. w.
„Die Wette hast du verloren,
Am Rheine bin ich geboren!
Hoch lebe der Wein!
Selbst Satan schreckt beim Becher
Nie einen deutschen Zecher!
Juchhe, juchhei!
Der Wein macht frei,
Es lebe, es lebe der Wein!“