Doppelte Gefahr

Marschner, Heinrich

Ich armer Fischerbube,

Wo soll ich schiffen hin?

Mein Nachen ist gar kleine,

Gar schüchtern ist mein Sinn.

Im hohen Meere draußen

Da sind die Wogen groß,

Da läßt aus Ost und Westen

Der Himmel die Stürme los.

Da jagen die Korsaren

Nach jungem Christenblut,

Da singen die Sirenen

Und locken hinab in die Fluth.

Am Ufer sitzt ein Mädchen,

Die hat ein Augenpaar,

Das droht mit Feuerflammen

Mir tödtliche Gefahr.

Sie strickt an einem Netze,

Will drin mich fangen ein;

Ihr Haar hat lange Flechten,

Dran soll ich gebunden sein.

Du liebliche Sirene,

Sirene von dem Strand,

Laß deine Stimme tönen

Hell über Meer und Land!

Tief unten in den Fluthen

Da ist ein goldnes Haus,

Da ruhen die Ertrunknen

In weichen Armen aus.

In diesem Liebesmeere

Wo wird die Ruhstätt' sein?

Entweder an deinem Herzen,

Ach! oder im Grabe mein.