Er liebt und reitet fort

Marschner, Heinrich

Ein Knappe mit einem schwarzen Roß

vor des Grafen Hofthor stand,

ein schmucker Ritter kam aus dem Schloß,

und sprang auf den Rappen gewandt.

Seine Waffen glänzten im Sonnenschein,

und er sang nach Süd und Nord:

"Wie schön lebt ein Ritter jung und fein,

er liebt und reitet fort."

Eine Jungfrau sah von der Zinne herab

und hörte des Ritters Gesang;

und weinend wankte sie auf und ab

und flehend die Hände sie rang.

"Du schwürst mir; ewig treu zu sein

ach! Hältst Du so dein Wort?

O bleibe, du lieber Ritter mein!

O Theuerster, reite nicht fort!"

Der Ritter achtet nicht auf ihr Weh,

er winkt ihr mit spöttischem Ton:

"Ade, mein süßes Lieb, ade!"

Und lustig sprengt er davon.

Und lustig sprengt er durch Flur und Hain,

und sang nach Süd und Nord:

"Wie schön lebt ein Ritter jung und fein,

o hütet euch wohl, ihr Jungfräulein,

er liebt und reitet fort."