Hochzeitlied

Marschner, Heinrich

Wie am Bach mit süßer Lust

ich der Rebe schönste Hügel

öfters sah im klaren Spiegel

ruhen an des Himmels Brust,

also weilet froh mein Blick

heute, da die Braut im Kranze,

in der Schönheit mildem Glanze

spiegelt meines Freundes Glück.

Zu der Rebe Purpurblut,

welche prangt, den Blick zu meiden,

wendet sich hinauf mit Freuden

Himmelsklarheit aus der Flut.

Und der Traube lieblich Bild

scheint zur Quelle sich zu neigen,

und, sich liebreich zu bezeigen,

strahlt sie wieder rein und mild.

Will die Traube, sich bewusst

hoher Kraft, am Jubel blinken?

Will die Quelle Nektar trinken?

Welche Fülle süßer Lust!

Fröhlich wie der Winzer Schar,

wie der Nymphen leichte Tänze,

bringet Lieder, bringet Kränze,

Freunde, diesem Feste dar!

Rufet Wachstum und Gedeihen,

Fleht um Sonne, Tau und Regen,

doch - bei Frommen kehrt der Segen

billig schon von selber ein.

Weicht, ihr Sorgen, weit zurück!

Lasst ihr Eden frei und offen;

also wünsch' ich, und mit Hoffen

hängt mein Herz an ihrem Glück.

Wie der Becher überschwillt!

Liebe lohnet süß' Vertrauen;

ja - ein liebend Paar zu schauen,

bleibt des Lebens schönstes Bild.