Lebewohl im Gesange

Marschner, Heinrich

In stiller Nacht,

wenn hoch am Himmel die Sterne glüh'n,

im Laube tief die Blumen blüh'n,

der Mond ersteht in Silberpracht,

Gesang! dann lösest du in Tränen

der Seele namenloses Sehnen.

Im Sonnenlicht,

wenn rings umher die Freude winkt,

ein gold'ner Wein im Becher blinkt,

aus holden Augen Liebe spricht,

Gesang! dann trachtest du in Tönen

des Tages Wonne zu verschönen.

In trüber Zeit,

wenn die Gefahr sich rings erhebt,

in Sorgen oft das Herz erbebt,

die Erde kaum noch Trost verleiht,

Gesang! dann lenkest du nach oben

das Auge zu dem Vater droben.

Im Lebewohl,

wenn Liebe mit dem letzten Kuss

vom stillen Glück sich trennen muss,

im bangen, letzten Lebewohl,

Gesang! vermagst du zu verkünden,

was treue Herzen tief empfinden.