Mondenschein
Marschner, Heinrich
Es ging der Mond hoch oben
im luftigen Revier,
ich aber saß hier unten
so traulich neben ihr.
Da dacht' ich ganz im Stillen:
Du lieber Mondenschein,
es mag wohl schön im Himmel,
doch schöner auf Erden sein.
Und hätt' ich was zu klagen,
dir klagt' ich's nimmermehr;
du hast ein fein Gesichte,
hast aber kein Gehör.
Und kömmst du so gegangen, -
ja, ja, das kenn' ich schon!
Kaum sagst du guten Abend,
so gehst du wieder davon.
Wie oft bist du nicht brummisch,
als wär' dir's angetan,
und siehst mich über die Schulter
mit halbem Viertel an.
Fährt dann die liebe Sonne
durchs hohe Himmelshaus,
dann gehen dir die Augen,
die lichten Wangen aus.
Da ist mir doch die Liebste
ein and'rer Mondenschein;
der seh' ich immer ins volle,
ins klare Gesicht hinein.
Der ganze volle Himmel
in ihren Augen ruht;
es bleichen tausend Sonnen
niemals der Wangen Glut.
Sie trüben keine Wolken
und keine Nebel nicht,
sie hört, was ich ihr sage,
mit freundlichem Gesicht.
D'rum geh' nur immer unter,
dir sag' ich gute Nacht!
Wir aber bleiben munter,
so lang' die Liebe wacht.