Nachtigall
Marschner, Heinrich
Auf, Vögelchen, flieg' an den Strand,
Flieg' glücklich über Meer an's Land!
Du weißt den Weg! Geschwinde
Zum süßen holden Kinde!
Und find'st du sie und siehst du sie
So zwitschre sanfte Melodie,
So süß, so lieblich pfeife,
Daß dich ihr Händchen greife.
Und fragt sie: Vögelchen, woher?
Wer sandte doch dich über's Meer?
So sprich: Mich selber bring' ich,
Des Herren Seufzer sing' ich.
Er sandte von der Insel mich,
Vor dir zu singen minniglich,
Sein Leiden dir zu klagen,
In Tönen dir's zu sagen.
Demüthig neig' das Köpfchen dann,
Fleh' ihre Schönheit flüsternd an,
Den holden Platz erbitte
In ihres Busens Mitte.
Ach -- liebes Vögelchen, verzeih',
Es muß heraus: bist du auch treu? --
Mußt treulich meiner warten,
Kommst du in jenen Garten!
Ich sag' es dir jetzt nett und rund
Und thu mein scharf Gebot dir kund:
Laß ja nicht dich berücken,
Die Äpflein anzupicken!
Das wäre dir ein theurer Schmaus!
Die Zunge riss' ich gleich dir aus,
Wie Tereus sie -- wirst's wissen! --
Der Schwester ausgerissen.