Tarantella

Marschner, Heinrich

Die Woge rollt, die Winde wehen,

Ein stummer Abschied presst das Herz

O lass die Sehnsucht mich gestehen,

Die so mich ziehet heimathwärts.

Das Meer um rauscht die Hohen Mauern

Von deiner Väter stolzem Schloss,

Nur Heimlich darf ich unten lauern,

Mir drohet feindliches Geschoss.

Doch die Gefahr kann mich nicht schrecken,

Mich schreckt nur deiner Augen Drohn,

Könnt ich dein Herz in Lieb' erwecken,

So spräch' ich ihren Waffen Hohn.

Heiss brennt die blut'ge Wunde

Und bitter ist Todesgruss,

Doch bittrer ist die Stunde,

Wo ich dich lassen muss.

Wie Waldgesang beim Tagesscheiden

Zu dem gefangnen Sänger dringt,

Und Rückerinnerung der Freuden,

Der längst vergessnen Lieder bringt,

So dringt dein Ton aus Meeres Fluten

In mein vergoldetes Gemach,

Erwecket nie gekannte Gluthen,

Ruft tausend Sehnsuchtswünsche wach.

O nimm in deinem schwanken Hause

Die pracht umgebne Sclavin auf,

Nicht fürchtet sie des Sturms Gebrause,

Vertraut sich deines Schiffes Lauf.

Mag rang und Reichthum schwinden,

Ich fliehe ihn sonder Harm,

Ich gebe mich hin den Winden,

Dem Herzen so liebewarm.

Und deine goldne Krone?

Sie drückte mir schwer das Haupt

Was reich' ich dir Holden zum Lohne?

Du giebst was du geraubt:

Ein Herz, voll Lieb' und Treue,

Ein Herz, voll Liebe bis zum Tod!

Dann trifft mich nimmer die Reue

Trifft mich auch Angst und Noth!