Tod und Leben

Marschner, Heinrich

Hefte nicht zu warm im Leben

Auf ein teures Gut den Blick;

Treuer Sehnsucht Wünsche streben,

Ach, umsonst nach festem Glück.

Geht dein holder Freund zur Ferne:

Zittre, armes Mädchenherz,

Ob ihm glänzen Lebenssterne,

Ihn umschau're Todesschmerz.

Tränen, die dem Tode flossen,

Glühen dennoch heilig süß;

Herb're werden dem vergossen,

Was im Leben uns verliess.

Wird er von der Erde fliehen?

O der Tod — er raubt ihn nicht!

Aus der Liebe Grabe blühen

Schön're Rosen an das Licht.

Sein geliebtes Bild umgeben

Wird ein lichter Himmelsschein,

Und ihn wird der Schmerz erheben

Zu der höchsten Engel Reih'n.

Also lebt der Todtgeglaubte;

Dennoch — fürchte, tiefe Brust!

Was der Tod dir nimmer raubte,

Raubt vielleicht des Lebens Lust!

Über Zeit und Grab erheben

Darf sein Gut ein edler Schmerz;

Stirbt sein Lieben dir im Leben:

Dann — o brich, verarmtes Herz!