Über Nacht
Marschner, Heinrich
Wie hat noch gestern in fröhlichem Schein
Der Himmel gefunkelt, die Erde gelacht!
Über Nacht da brach ein Frost herein,
Hat Himmel und Erde düster gemacht.
Über Nacht, über Nacht,
Wer hat es gedacht?
Hat Himmel und Erde düster gemacht.
An der Linde gestern nannt' ich sie mein,
Wir ruhten umschlungen, vom Baum überdacht!
Über Nacht da brach ein Frost herein,
Heut' hab' ich die Stunden mit Warten verbracht.
Über Nacht, über Nacht,
Wer hat es gedacht?
Heut' hab' ich die Stunden mit Warten verbracht.
Ich gab ihr gestern die Rose rein,
Sie ward von Düsten und Farben entfacht;
Über Nacht da brach ein Frost herein,
Heut' find' ich Dornen statt blühender Pracht.
Über Nacht, über Nacht,
Wer hat es gedacht?
Heut' find' ich Dornen statt blühender Pracht.
O gestern die Schwüre: du mein, ich dein!
Ich glaubt' an der Treue ewige Macht!
Über Nacht da brach ein Frost herein,
Vorbei! -- O nimm dich vor Liebe in Acht!
Über Nacht, über Nacht,
Wer hat es gedacht?
Vorbei! -- O nimm dich vor Liebe in Acht!