Venetianisches Gondlerlied
Marschner, Heinrich
Es schwebet die Gondel auf schaukelnder Welle,
Die Nacht ist so helle,
So labend, so kühl.
Drum folge mir, Nettchen! Allein und verschwiegen
Im Kahn sich zu wiegen
Ist Wonnegefühl.
Den Deckel der Gondel befahl ich zu räumen,
Um süßer zu träumen
In fächelnder Luft.
Nun werden uns spielend die Wogen umkräuseln,
Die Zephyr' umsäuseln
Mit würzigem Duft.
Betrüge sich etwa ein Zephyrchen freier,
Und risse den Schleier
Dir weg von der Brust,
Und wüßte verwegen ein Knie zu erhaschen,
Verbotnes zu naschen
In himmlischer Lust:
Was kümmert's dich, Süße? Am Ruder behende
Regt Toni die Hände
Nach Ordnung und Pflicht.
Du kannst einer Büste nicht sicherer trauen,
Er will's ja nicht schauen,
Und schaut es auch nicht.