Wachtlied der Leipziger Bürger
Marschner, Heinrich
Wo blinde Wuth die Schranken bricht,
Da walten Glück und Friede nicht;
Der Freiheit Hort, des Rechtes Heil
Wird nur Verständigen zu Theil.
Wacht, Brüder, wacht!
Denn gräßlich war die Nacht.
Ein junger Fürst in Kron' und Stern,
Ein edler König hört uns gern:
Wir weihen Beiden Gut und Blut,
Denn Beide sind gerecht und gut.
Wacht, Brüder, wacht!
Es blinkt der Sterne Pracht.
Auf einem hoffnungsgrünen Buch
Ruht zentnerschwer des Krieges Fluch:
Doch Königswort und Sparsamkeit
Verbürgen uns die beß're Zeit.
Wacht, Brüder, wacht!
'S war eine schwüle Nacht.
Die trübe Wolke zieht vorbei:
Treu den Gesetzen, aber frei!
Frei sei die Schrift und frei das Wort,
Und Glück und Fried' an jedem Ort!
Wacht, Brüder, wacht!
Die Morgenröthe lacht.