Wasserfahrt am Morgen

Marschner, Heinrich

Verlass die dunkle Hütte,

beflügle deine Schritte,

und komm in Zephyrtritte,

komm an des Ufers Rand!

dort schaukelt uns der leichte Kahn,

auf silberheller Wogenbahn

den breiten stillen See hinan,

bis an die Felsenwand.

O schau' am Himmelsthore

die glänzende Aurore,

vernimm mit trunknem Ohre

der Vögel muntre Schaar!

wie heiter ist die Luft, wie blau!

Im Blumenschmelze prangt die Au'

und weder Nebel netzt noch Thau

dein blond gelocktes Haar.

Du schlägst das Auge nieder?

Lass lauschend auf' die Lieder,

nur deine zarten Glieder

auf weichem Kissen ruhn!

die Silberwoge kräselt sich,

ein sanfter Wind um säuselt dich,

und freundlich schützet dich und mich

der mächtige Neptun.

Und flattert dir auch freier

um Brust und Hals der Schleier,

und setzt die Wang' in Feuer

durch lose Schelmerein:

so mache, dämpfend diese Glut,

den Fehler, Liebchen, wieder gut,

und lass die ungetrübte Flut

der Schönheit Spiegel seyn.