Wenn, schöne Maid

Marschner, Heinrich

Wenn, schöne Maid von Schiras, Du

Wollt'st mein mit Herz und Hand sein:

Dein Grübchen sollte mir lieber als

Bochara und Samarkand sein!

Trinkt Wein und freut Euch dieser Welt!

Denn wie Mosella wird kein Hain,

Es wird kein Strom wie Roknabad

So schön in Eden's Land sein!

Wie der Tatar auf seinen Raub,

So stürmt auf mich die Schönheit ein,

Raubt Herz und Ruhe mir, und bald

Wird hin auch mein Verstand sein!

Wie wahre Schönheit Nichts gewinnt

Durch Schminke, Putz und Flitterstaat:

So Ihr durch uns Nichts - unser Herz

Kann Euch nur Spiel und Tand sein!

Sprecht mir von Wein und von Gesang,

Und grübelt ob dem Jenseits nicht -

Denn keinem Weisen war es je,

Und wird es je bekannt sein!

Wohl fass' ich's, wie Zuleikha kühn

Der Keuschheit Schleier abgestreift,

Weil sie, gerührt von Jussuf's Reiz

In Liebe wollt' erkannt sein!

Bleib', Mädchen, frei von Zwang und Furcht,

(Der Jugend ziemt des Alters Rath),

Wenn Dich ein Band umschlingen soll:

Lass' es ein Rosenband sein!

Du schmollst mir, Kind? Ich zürne nicht,

Doch: ziemt das Bittre Deinem Mund?

Ein Quell von Süße sollte der

Rubinenlippen Rand sein!

Als sollten Deine Worte all

Wie Perlen auf der Schnur sich reih'n,

Als sollte der Plejaden Glanz

Ihr leuchtendes Gewand sein:

So schön, Hafis! gelang Dein Lied!

Doch noch unendlich schöner ist

Sie, der es gilt, und der es soll

Geweiht von Deiner Hand sein!