Willegis

Marschner, Heinrich

Es sahn am Tum zu Mainz die adeligen Herrn

Den Willegis zum Bischof nicht allewege gern.

Der war ein Wagnerssohn:

Sie malten ihm zum Hohn

Mit Kreide Räder an die Wand:

Die sah er wo er ging und stand!

Doch es nahm Willegis

An dem Schimpf kein Ärgernis.

Denn als der fromme Bischof die Räder da ersehn,

So hieß er seinen Knecht nach einem Maler gehn:

»Komm Maler, male mir

Ob jeder Tür dahier

Ein weißes Rad im roten Feld,

Darunter sei die Schrift gestellt:

Willegis, Willegis,

Denk woher du kommen sis!«

Nun wurde von den Herren am Tum nicht mehr geprahlt,

Man sagt, sie wischten selber hinweg, was sie gemalt.

Sie sahn, dergleichen tut

Bei weisem Mann nicht gut.

Und was dann für ein Bischof kam,

Ein jeder das Rad ins Wappen nahm:

Also ward Willegis'

Glorie das Ärgernis.