Überall

H. Mohr

Gott ist ein Geist und überall zu finden,

Jedweder Hügel ist ein Betaltar;

Wer im Verbognen stillet eine Thräne,

Bringt ein Gebet der ew'gen Gottheit dar.

Wer Tröstung bringt in eine nied're Hütte,

Wo Noth und Elend sich emporgerungen,

Der hat ein Lied inmitten der Gemeinde

Aus seines Herzens Tiefe mitgesungen.

Wer eine Labung dargebracht dem Kranken,

In dessen Augen Thränenperlen hangen,

Wer die Bedrängten rettet aus den Nöthen,

Der ist zu Gottes Tische hingegangen.

Mit Worten nicht, durch Thränen nur

Läßt sich Religion vertreten;

Wer die Gebete zählen kann,

Kann nicht aus vollem Herzen beten.

Drum fraget nicht nach Ort und Zeit,

Und ob der Sabbath angegangen;

Ein Tempel ist die ganze Welt,

Soweit am blauen Himmelszelt

Die goldnen Sterne ausgehangen.