Abgeschiedenheit
H. Nägeli
Grün in Busch und Kraute
Steht mein Hüttendach.
Zittherklang, der traute,
Ist dort immer wach,
Spielt auch nach Gefallen
Wohl bergab, bergauf,
Mit der Lüfte Wallen,
Mit der Quellen Lauf.
Oft, o süß Begegnen!
Trifft er Nachtigall
In dem nahgelegnen
Hain am Wasserfall.
Dann ergeht ein Klingen
Freud'ger Liebesscherz,
Immer höh'res Ringen,
Immer süßrer Schmerz.
Oft, wie fern von Leuten
Auch die Wohnung sey,
Kommt ein munteres Läuten
Uns zum Spiel herbey.
Von den Herden klingt es,
Von der Alpe dort,
Und neugierig dringt es
Bis an diesen Ort.
Trauter Spielgeselle
Meinem Zittherklang,
Spricht es fein und helle
Manche Stunde lang,
Will von den Geschichten
Unten auf der Flur
Mancherley berichten,
Halb vernehmlich nur.
Zittherklang, begleite,
Was der Tändler sprach,
Doch in seine Weite
Folg ihm nimmer nach.
Oft, wenn aus den Wäldern
Er bergunter glitt,
Sprach er: "Komm zu Feldern
Meiner Heimath mit."
Laß dich nicht betriegen,
Du, von mir erwählt,
Wenn er schöne Lügen
Aus der Welt erzählt!
Bleib zu allen Tagen
Fromm bey mir allein;
Hat er was zu sagen,
Kommt er wohl herein.