An Eudosien

H. Nägeli

Eudosia! dein Leben gleiche

Dem Bach, der immer heiter fließt,

Und sich durch Blumen und Gesträuche

Sanft in den fernen See ergießt.

Bald fallen Blüthen auf ihn nieder;

Bald rieselt er auf Kieseln hin;

Bald wirbeln über ihn die Lieder

Der holden Frühlingssängerin.

Hier kühlt der Schatten ihn, dort blinket

Er von der Sonne; wenn ihn Klee,

Wenn hier Vergißmeinnicht ihn trinket,

Genießt ihn dort ein frommes Reh.

So halte, nie getrübt durch Leiden,

Dein edles Leben seinen Lauf;

Spät nehm' es dann ein Meer von Freuden

In himmlischen Gefilde auf.