Der Heerd
H. Nägeli
Auf, Brüder, laßt am trauten Heerd
Ein frohes Lied erschallen!
Er, der die Vöglein singen lehrt
Vernimmt mit Wohlgefallen,
Wenn Herz und Mund
Im stillen Bund
Gesang und Dank ihm lallen.
Die Liebe reiht zum bunten Kranz
Uns freundlich hier zusammen,
Und jedes Antlitz strahlt im Glanz
Und Wiederschein der Flammen,
Die Lohe neigt
Ihr Haupt und zeugt,
Daß wir vom Himmel stammen.
Ein Hausgesell, vertraut und mild
Erwärmt sie jede Hütte,
Und strahlt, der Sonne Ebenbild,
In unsers Kreises Mitte.
In ihrem Schein
Da waltet rein
Die alte fromme Sitte.
Sie wallt und strebet himmelwärts
Empor vom niedern Heerde.
So sehnet sich das Menschenherz
Hinauf vom Staub der Erde,
Daß rein und klar
Es ein Altar
Und Tempel Gottes werde.
Im stille häuslichen Verein
Soll, unverrückt und leise,
Der Jugend Muth und Kraft gedeihn
Zur ernster Lebensreise.
Der Jungfrau Art
Sei treu und zart,
Des Jünglings kühn und weise!
Der Heerd ist unser Festaltar
Im häuslich stillen Bunde!
Wie Reben schlinge sich die Schaar
Um ihn in trauter Runde.
Ein eigner Heerd
Ist Goldes Werth!
Lobsingt mit Herz und Munde!