Die Weihnachtsfeyer

H. Nägeli

Die Heiligste der Nächte

Bricht nun auf stiller Bahn

Dem menschlichen Geschlechte

Zum Jubel wieder an.

Er kam aus Himmelsfernen

Zur Erde wunderbar,

Der über allen Sternen

Im Schooß des Vaters war.

Der Heiland ist geboren,

Den Gottes reiche Huld

Von Ewigkeit erkoren

Zum Tilger aller Schuld.

Er ist zu uns gekommen

In jener Wundernacht,

Der Menschheit angenommen

Und Gottheit hat gebracht.

Er naht, und die Altäre

Der Götzen stürzen ein;

Bei allem Volk im Ehre

Soll nur der Vater sein.

Vor seinem Namen beuge

Sich aller Welten Kreis;

Zu seinem Throne steige

Der Menschheit Lob und Preis.

Er kommt, damit die Erde,

Vom Fluch der Sünde frei,

Ein Haus der Freude werde,

Ein Sitz des Friedens sei.

Die Herrschsucht sei verschwunden,

Vernichtet Haß und Streit,

Und Herz mit Herz verbunden

Durch Lieb' und Einigkeit.

Er heiligt seine Brüder,

Und stärkt sie wunderbar;

Er bringt die Unschuld wieder,

Die längst verloren war,

Der Tugend Bahn zu wallen,

Macht er sein Volk geschickt,

Daß Gott mit Wohlgefallen

Auf unsre Erde blickt.

Er stirbt für unsre Sünden,

Und stellt sie ins Gericht,

Auf daß wir Gnade finden

Vor Gottes Angesicht.

Er trägt, was wir verschuldet,

Ihn trifft, was wir verdient.

Der Tod, den er geduldet,

Hat uns mit Gott versühnt.

Er hats vollbracht, und wieder

Erhebt er sich zu Gott;

Für sich und seine Brüder

Bezwang er Grab und Tod.

Er sitzt zu Gottes Rechten

Mit Herrlichkeit gekrönt,

Wo ihm von seinen Knechten

Ein Siegespsalm ertönt.

Mein Heiland ist geboren!

Daß sei mein größter Ruhm!

Auch ich bin auserkoren

Zu seinem Eigenthum.

Entrückt dem Staubgewimmel,

Vergöttlich wird mein Sinn.

Mich ziehet nach dem Himmel

Die neue Würde hin.

Sei auf des Lebens Pfade

Ein treuer Führer mir,

Und nimm, o Herr der Gnade!

Mich selig einst zu dir;

Mein Licht in Finsternissen,

Mein Trost in Gram und Noth,

Mein Mittler in Gewissen,

Mein Helfer einst im Tod.