Die Zeitlosen

H. Nägeli

Noch immer schmückt ihr meine Flur,

Ihr Blümchen treuer Art,

Ihr Lieblingskinder der Natur,

So einfach und so zart.

Dahin sind Ros' und Tulipan,

Violen und Jasmin:

Der himmelblaue Enzian,

Die goldne Malv' ist hin.

Euch aber, Blümchen, zeugt und säugt

Noch immer die Natur.

Noch unversehrt und unverbleicht,

Bekränzt ihr meine Flur.

Euch tilgte nicht des Hundsterns Gluth,

Und nicht der Herbstnacht Frost,

Euch knickte nicht des Nordes Wuth,

Und nicht der Hauch des Ost.

Diess Blümchen, Beste, ewig jung

Und ewig frisch und neu,

Sei Sinnbild unsrer Einigung,

Und uns'rer Lieb und Treu.

Nicht wetterwendisch sei dein Herz;

Unwandelbar, wie Gold,

In Freud' und Leid, in Lust und Schmerz

Sei es mir treu und hold.

Nicht Menschengunst, noch Menschengroll

Kein Lächeln und kein Dräun,

Kein Blitz noch Schlag des Schicksals soll,

Geliebte, uns entzwein.

Noch blühet unsers Liebes May --

Und lass, lass ihn verblühn!

Bleibt unsre Lieb' und Huld und Treu

Nur ewig frisch und grün.

Getreu, getreu lass, Liebste, uns

Des Lebens Strasse ziehn.

Es wird ja hier und da für uns

Ein kleines Masslieb blühn.

Getreu, getreu und müd und matt

Lass einst uns schlafen gehn.

Es blühn um unsre Ruhestatt

Masslieb und Tausendschön.