Flehen um Liebe

H. Nägeli

Sieh! ich komme, o du Fromme,

Mit der Hoffnung Trostgefühl;

Meiner Thränen schmachtend Sehnen

Stammelt dir mein Saitenspiel.

O vergönne mir's, ich brenne!

Wehe mir die Wange kühl'.

Sünd' und Mängel, Gottesengel,

Himmlische, beflecken mich;

Ohne Fehle, fromme Seele,

Machte Gottes Finger dich.

Meine Liebe bebte trübe

Vor dir, und versteckte sich.

Sünd' und Mängel Gottesengel,

Schrecken meine Hoffnung nicht;

Mitleid schwebte, da ich bebte,

Sanft von deinem Angesicht;

Und mein Glaube fliegt vom Staube

Auf zu dir, und zittert nicht.

Sieh! ich komme, o du Fromme,

Hoffnungsvoll und suche dich!

Meiner Thränen schmachtend Sehnen

Kehrt in lautes Flehen sich.

O vergönne mir's, ich brenne!

Lächle mir und liebe mich!