Gesellschaftslied

H. Nägeli

Freut euch des Lebens,

weil noch das Lämpchen glüht;

pflücket die Rose,

eh sie verblüht.

Man schafft so gern sich Sorg und Müh,

sucht Dornen auf und findet sie,

und läßt das Veilchen unbemerkt,

das uns am Wege blüht.

Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt,

und laut der Donner ob uns brüllt,

so lacht am Abend nach dem Sturm

die Sonn uns doppelt schön!

Wer Neid und Mißgunst sorgsam flieht

Und G'nügsamkeit im Gärtchen zieht,

dem schießt sie schnell zum Bäumchen auf,

das gold'ne Früchte trägt.

Wer Redlichkeit und Treue liebt

und gern dem ärmern Bruder gibt,

bei dem baut sich Zufriedenheit

so gern ihr Hüttchen an.

Und wenn der Pfad sich furchtbar engt

und Mißgeschick uns plagt und drängt,

so reicht die Freundschaft schwesterlich

dem Redlichen die Hand.

Sie trocknet ihm die Tränen ab

und streut ihm Blumen bis ans Grab;

sie wandelt Nacht in Dämmerung

und Dämmerung in Licht.

Sie ist des Lebens schönstes Band.

Schlingt, Brüder traulich Hand in Hand!

So wallt man froh, so wallt man leicht

ins beßre Vaterland!