Lauras Quelle

H. Nägeli

Quelle! dich grüßt mein Blick mit Sehnsuchtsthränen,

Seit am Blumenaltare deiner Ufer,

Seit im Tempel deiner Gesträuche, Laura

Weinend mit Gott sprach.

Geister des Himmels müssen dich umschweben,

Stille Stäte, wo Laura betend hinsank,

Wo die Zukunft über der Gruft sich ihren

Blicken enthüllte!

Huldigend schmiegten sich des Frühlings Kinder

Um des weißen Gewandes Saum, die Lüfte

Wehten Purpurblüten auf ihres Hauptes

Wallenden Schleier.

Über ihr Antliz war die Ruhe des Himmels,

War der Friede der Engel ausgegossen

Und verklärend hellte des bessern Lebens

Hoffnung ihr Auge.

Quelle, dich grüßt mein Blick mit Sehnsuchtsthränen!

Jede Blume worauf die Holde kniete

Will ich sorgsam pflücken, und ihres Grabmals

Urne bekränzen.