Lustfahrt auf dem See
H. Nägeli
Schwimme, Schiffchen! schwimme,
Trag uns schaukelnd fort,
Durch die Läng' und Krümme
Zum bestimmten Ort.
Wo im kühlen Schatten
Scherz und Lust sich gatten:
Bring mit frohem Sinn
Bald uns glücklich hin.
Doch dein langsam Schleichen
Auf der glatten Fluth
Eh' wir ihn erreichen --
Ist für uns auch gut.
Schaut die bunten Wiesen
Die uns freundlich grüßen:
Wie vom Westes Hauch
Schwanket Baum und Strauch
Schlürft die süßen Düfte
Von der Blumen Flor,
Die die leichten Lüfte
Wehn von ihr empor.
Ihrer Kelche Nicken
Gleich der Schönheit Blicken,
Und wer Augen hat,
Sieht sich nimmer satt.
In des Wassers Spiegel
-- das wie Silber strahlt --
Stehen Busch und Hügel
Schöner als gemalt.
Seht, wie durch die Wellen
Sich die Fischchen schnellen:
Wie der Sonne Glanz
Schaukelt sich im Tanz.
Fühlet mit Entzücken
Wie das Schiffchen schwebt,
Auf des Stromes Rücken
Sich bald senkt, bald hebt.
Wie die leisen Winde,
Jedem hübschen Kinde,
In der Gluth Gefühl
Wehn die Wange kühl.
Bey des Wassers Rauschen
An des Schiffchens Rand
Läßt es sich fein lauschen
An des Liebchens Hand,
Bis der Ruder Patschen
Und der Stangen Klatschen
Aus dem Traum uns weckt
Und wohl gar erschreckt.
Doch wir fürchten nimmer
Eine Seegefahr,
Wie die Meeresschwimmer
Wenn es Sturmwind war.
Können hübsch im Schwülen
Jedes Lüftchen fühlen,
Und uns obendrein
Letzen und erfreun.
Immer sind wir weiter
Jeden Augenblick.
Bleibt der Himmel heiter,
Fahrn wir auch zurück;
Stießen von der Stelle
Bey der Sonnenhelle,
Und löscht sie dann aus,
Fahren wir nach Haus.
Wenn die Sternchen flimmern
Und der Mond erscheint,
Lassen wir sie schimmern:
Wer es herzlich meint,
Drückt die Hand dem Liebchen,
Und das lose Bübchen
Tauscht dann Kuß um Kuß,
Schmiegt dann Fuß an Fuß.
Traulich sitzen heute
Wir in bunten Reihn,
In dem Sommerkleide
Preislich uns zu freun.
Guckt, ob wir nicht sitzen
Gar in trüben Pfützen,
Und ob nicht ein Fleck
Sey im Schiffchen leck.
Treibe, Schiffchen, schaukelnd
Mit der schönsten Last
Durch die Wellen gaukelnd,
Bald kommst du zur Rast:
In dem sichern Hafen
Kannst du bas dann schlafen;
Wo aus dir wir gehn
Und das Land besehn.