Ständchen

Pfitzner, Hans

Mit Lied und Leier weck' ich dich;

Gib Acht auf Lied und Leier!

Der wache Leiermann bin ich,

Schön Liebchen, dein Getreuer!

Schleuß auf den hellen Sonnenschein

Der himmelblauen Äugelein!

Durch Nacht und Dunkel komm' ich her,

Zur Stunde der Gespenster.

Es flimmert längst kein Lämpchen mehr

Durch stiller Hütten Fenster.

Schon lange ruhte süß und fest,

Was Lieb' und Sehnsucht ruhen läßt.

Auf seiner Gattin Busen wiegt

Sein müdes Haupt der Gatte,

Wol an die liebste Henne schmiegt

Der Hahn sich auf der Latte;

Der Sperling unterm Dache sitzt

Bei seiner trauten Sie anitzt.

Wann, o wann ist auch mir erlaubt,

Daß ich an dich mich schmiege?

Daß ich in süße Ruh' mein Haupt

Auf deinem Busen wiege?

O Priesterhand, wann führest du

Mich meinem süßen Bräutchen zu?

Wie wollt' ich dann herzinniglich

So lieb, so lieb dich haben!

Wie wollt' ich, o wie wollt' ich mich

In deinen Armen laben!

Geduld! Die Zeit schleicht auch herbei.

Ach, liebchen, bleib' mir nur getreu!

Nun, liebe Seele, gute Nacht!

Dich wolle Gott bewahren!

Was Gott bewahrt, ist wohl bewacht

Vor Schrecken und Gefahren.

Ade! Schleuß wieder zu den Schein

Der himmelblauen Äugelein!