Das Blümlein
H. Proch
Ein Blümlein steht am Bachesrand,
gar wohlbekannt;
es deutet in dem blauen Kleid
Bescheidenheit.
Mit seinen blauen Äugelein
blickt still es in die Welt hinein.
Geheimes Sehnen,
verstohl'ne Tränen,
bitt'res Leid,
Seligkeit!
Herbe Schmerzen,
Lust im Herzen.
Was bebend nur die Lippe spricht,
das deutet klar: Vergissmeinnicht!
Das Blümlein steht in Liebessold
der Minne hold,
und gern dient es der Freundschaft auch
nach altem Brauch.
Und wenn ein sterbend Auge bricht,
so sagt es noch: Vergiss mein nicht!
Bei stillem Meiden,
bei bitter'm Scheiden
fließet hell
Tränenquell,
aus den Blicken
scheint zu nicken
das Blümchen, das so traulich spricht:
Du armes Herz, vergiss mein nicht!
Zurückgekehrt ins Heimatland
vom fernen Strand,
nehmt auch von mir dies Blümlein hin
mit hohem Sinn.
Mein Auge blickt entzückt umher,
das Herz hegt keine Wünsche mehr.
Doch muss ich scheiden,
die Heimat meiden,
denkt ihr doch
meiner noch,
und mit Zagen
will ich's wagen
zu sprechen, was das Blümlein spricht:
Ihr Lieben all', vergesst mich nicht!