Das treue Lied
H. Proch
Einsam steh' ich und verlassen,
niemand, der die Hand mir drückt;
alle Blumen mir erblassen,
und kein Aug' in meines blickt.
Will mir jede Freude schwinden,
kann ich nimmer Liebe finden,
mir im Herzen doch erglüht
meine einz'ge Lust - mein Lied!
Einst erhellten mir zwei Sterne
meines Lebens finst're Nacht;
ach, wie sah ich gar so gerne
ihrer Augen Zauberpracht!
Dieser Zauber ist entwichen,
diese Sterne mir erblichen,
doch im Herzen noch erglüht
meine einz'ge Lust - mein Lied!
Und wenn sie ins Grab einst senken
meine Liebe und mein Leid,
wird wohl sie auch des gedenken,
der sein Leben ihr geweiht.
Und aus ihren Augen brechen
Tränen, die statt Worten sprechen;
aufwärts zu den Sternen zieht
noch des Sängers letztes Lied.