Der blinde Fischer
H. Proch
Still sitz' ich hier, das Herz voll Weh',
am steilen Ufersrand
und lausch' und horch', wie der See
bespült die Felsenwand.
Ich hör' sie kommen, hör' sie geh'n,
die Wellen ohne Zahl;
o könnt' ich sie doch wieder seh'n,
ach, nur ein einzig' Mal!
Wohl saß ich hier oft tagelang,
sah nieder in die Flut;
wie freute mich der Wellendrang
in Abendspurpurglut!
Nun ist es um mich tiefe Nacht;
der gold'nen Sterne Heer,
des Mondes Silberscheibe lacht
mir aus der Flut nicht mehr.
Doch immer drängt mich's noch zum See,
zum lieben Plätzchen hin;
da sitz' ich dann im stummen Weh'
mit gramgebeugtem Sinn.
Ich lausch' und zähl', wie Well' an Well'
sich bricht am Ufersrand;
der Tränen bitt'rer Wehmutsquell
rinnt nieder in den Sand.
O rinnt, ihr Tränen, bis das Herz
mit seinem Kummer bricht!
Ach, bitt'rer als der Todesschmerz
ist Leben ohne Licht!