Der blinde Geiger

H. Proch

„Habt Erbarmen mit dem Blinden,

der so tief gebeugt von Schmerz;

lasst ihn Trost und Mitleid finden,

denn ihm schlägt ein warmes Herz!“

Also dringt des Greises Stimme

durch der Saiten wilden Ton,

und halb flehend, halb im Grimme

wirbt er um des Bettlers Lohn.

„Mir auch lachte einst das Leben

in der Jugendfülle Pracht,

doch mein Sinnen und mein Streben

hüllt nun ein die düst're Nacht.

Mir auch lachte einst die Liebe,

diese Paradieseslust,

doch dem göttlichsten der Triebe

ist verschlossen nun die Brust.

Einsam steh' ich und verlassen

auf dem weiten Erdenrund,

kann nicht lieben, kann nicht hassen,

keine Träne gibt es kund.

Eines nur ist mir geblieben,

eines nur: mein Saitenspiel!

All mein Trost und all mein Lieben,

meine Seele, mein Gefühl!“