Der Goldschmied
H. Proch
In Nürnberg war ein Goldschmiedgesell',
der hat ein Mädel zum Schatz,
das däucht' ihm lieber als all sein Gold,
es war seiner Mühen Ersatz.
Wie war die Dirne so schlank und weiß,
wie führt' sie den Reigen mit Lust,
und welch ein kindlich frommes Herz
schlug unter Mieder und Brust!
Beim Schmause so froh, in der Kirche so ernst,
unter Kindern selber ein Kind,
von außen und innen blank und rein
und dem Goldschmied treu gesinnt.
Der Goldschmied arbeitet Tag und Nacht
und rastet und ruhet nicht
und leget Taler auf Taler zu
mit immer froherem Gesicht.
Und als er recht viel zusamm' schon gespart,
da wirft er sein Schurzfell hin
und singet und rennt zu seinem Schatz,
in dem Säckel den reichen Gewinn.
Er klingelt und klingelt in freudiger Hast,
doch verschlossen bleibt Fenster und Tor;
aus des Nachbars Hause nur schaut und ruft
ein altes Weiblein hervor.
„Was lärmst du so spät noch, du toller Gesell?
Lass ruhen die Toten, lass ruh'n!
Dein Schätzlein such' im Kirchhof dort
in der schmalen, hölzernen Truh'n!“
Und zur Stunde kehrt der Goldschmied heim
und schmilzt seine Taler um
und schmiedet und gießet ein Glöcklein d'raus,
dabei ist er still und stumm.
Und wie er das Glöcklein fertig hat,
schenkt er's der Marien-Kapell';
vier Wochen d'rauf lag er bei seinem Schatz -
das Glöcklein klang lieblich und hell.