Der Liebesbote

H. Proch

Ach, um deine raschen Schwingen,

Vogel, wie beneid' ich dich!

Sieh', du kannst ihr Grüße bringen,

grüße mir sie sicherlich!

Sage ihr, wie viel ich leide,

seit ich nimmer sie geseh'n,

dass mich fliehet jede Freude,

weil ich nicht zu ihr kann geh'n.

Sag' ihr, dass ich einsam walle,

suchend sie durch Tal und Au,

bis die schönen Bilder alle

schwinden in der Wolken Grau,

und dann bei des Mondes Schimmer

wandle an des Baches Rand,

denkend an die Eine immer,

die mir fremd und doch verwandt.

Frag' sie, aber frag' sie leise,

ob sie dessen wohl gedenkt,

der entfernt vom Freundeskreise

ewig ihr Erinn'rung schenkt.

Bringe mir, mein Vöglein, wieder

jedes Wort und jeden Blick;

ihre Worte sind mir Lieder,

und ihr Auge war mein Glück.

Doch ich will den Schmerz bezwingen,

glücklich fühl' ich nimmer mich;

nur um deine raschen Schwingen,

Vöglein, wie beneid' ich dich!