Der Spielmann und die Wirtin

H. Proch

Kehrt ein Spielmann auf der Reise

einst beim Wirt im Waldkrug ein,

singt und spielt nach Spielmannsweise

bis zum roten Abendschein;

singt vom Wein und fernen Lieb',

die dem Treuen treu auch blieb.

Und die Wirtin hört ihn singen

von dem Liebchen und dem Wein,

hört die gold'nen Saiten klingen

zu dem Liede hell und rein;

und sie füllt, als Frauendank,

einen Becher für den Sang.

„Guter Sänger! Nimm die Labe

aus der fremden Wirtin Hand!

Freudig reich' ich dir die Gabe

für das Glück, das ich empfand.

Denk', ich sei die ferne Maid,

die dir diesen Becher weiht!“

Und der Gast mit heiter'n Blicken

schaut die Wirtin lieb und hold,

nimmt den Becher mit Entzücken,

den die schöne Hand ihm zollt.

Sieh, da wird's ihm plötzlich klar,

dass die Maid ihm treulos war.

Zitternd reicht er nun die Gabe

abgewandten Blicks zurück,

nimmt die Laute, greift zum Stabe,

singt nie mehr von Liebesglück.

Denn die Wirtin - seine Maid -

brach der treu'sten Liebe Eid.