Der stille Zecher

H. Proch

Zu Köln im goldnen Helme

Saß einst ein kleiner Mann,

Der immer fleißig zechte,

So lang' ich denken kann.

Er saß am kleines Tischlein

In dunkler Erde dort,

Und stürzte schweigend Becher

Um Becher über Bord.

Er hielt es nicht mit Schelten,

That keinem Leides an;

War immer still und freundlich,

Der liebe, kleine Mann.

Ich sah's, er träumte Bilder

Aus früher Jugendzeit,

Und weinte manche Zähre

Der stillen Traurigkeit.

Ich hört's, er seufzte bange

-- Vielleicht ach! um sein Lieb' --

Wenn er mit seinem Schmerze

Des Nachts alleine blieb.

Da goß er Hump' auf Humpen,

Auf banger Seufzer Fluth

Bis seine Wangen brannten

In trüber Freude Gluth.

Dann lächelte er milde

Der kleine, stille Mann,

Und schaute selig trunken

Den lieben Becher an.

Einstmals nach solchem Strauße,

Den wacker er bestand,

Entsank der schwere Humpen

Des stillen Zechers Hand.

Er hob ihn nimmer wieder

Der kleine -- todte Mann --

Doch lächelt er noch milde

Den leeren Becher an.