Des Heideschenken Töchterlein
H. Proch
Vor der Heideschenke sitzet
einsam dort des Schenken Kind,
schwarzes Auge glutdurchblitzet,
und das Antlitz frisch und lind.
Nieder zu den Lenden hangen
schöngewund'ne Flechten ihr,
und die jugendlichen Wangen
glüh'n wie frische Rosen schier.
Doch sie sitzt mit stillem Weinen
unterm niedern Binsendach,
und es folgt der Blick der Kleinen
mir auf ödem Pfade nach.
Ach, wohl sprechen selten Gäste,
Mädchen, dir im Hause ein,
und die Zeit wird dir zum Feste,
sitzen Räuber d'rin beim Wein.
Nur die Wolken zieh'n und jagen
über dir dahin so frei,
gleich als wollten sie dir sagen,
wie's so anders drüben sei.
Und der Sturmwind kommt geflogen,
rüttelt an dem Häuschen dir:
Komm' zu dir, mein Kind, gezogen,
frisch nun auf, und folge mir!
Sonne, Mond und Sterne ziehen
einsam über Haus und Hain;
flüstern sie nicht im Entfliehen:
Kind, wie bist du so allein!
Mir auch tat's im Herzen wehe,
als ich so zurück dich ließ,
und von dir und deiner Nähe
mein Geschick mich grausam riss.
Doch ich musste geh'n und scheiden,
und so zog ich denn auch fort
durch die öden, fahlen Heiden,
nass das Aug', und ohne Wort.
Doch als d'rauf der Schlaf mich küsste,
träumte mir, dass ich im Sand
einer weiten, weiten Wüste
ein verlor'nes Röslein fand.