Die zwei Träume
H. Proch
1. Stimme:
Es hat in stiller Nacht
ein Traum mich froh gemacht.
2. Stimme:
Es hat in stiller Nacht
ein Traum mich trüb' gemacht.
1. Stimme:
Sie stand an meiner Seite,
ihr Auge strahlte klar.
2. Stimme:
Sie war des Todes Beute
und lag auf schwarzer Bahr'.
1. Stimme:
Mit seligem Entzücken
umfing ich meine Braut,
aus deren Zauberblicken
nur treue Liebe schaut.
„Wie heute, lieb' mich immer!“
so rief ich selig aus;
es strahlte Rosenschimmer
der Azurhimmel aus.
2. Stimme:
Mir war kein Glück beschieden,
der Tod umfing die Braut,
die ich erwählt' hienieden,
die nun vom Himmel schaut.
„Leb wohl, ich seh' dich wieder!“
rief ich ihr weinend zu;
ein Seraph schwebte nieder,
drückt' ihr die Augen zu.
1. Stimme:
O du, die mir ihm Traume
so liebevoll erschien,
2. Stimme:
es soll auf deinem Grabe
ein holdes Blümlein blüh'n.
O du, die ich im Traume
zum letzten Male sah,
1. Stimme:
dir bin ich, wachend, träumend,
dir bin ich ewig nah'.
Beide:
Dir bin ich, wachend, träumend,
dir bin ich ewig nah'.
Mit leisem Zauberwehen
mag schwinden auch die Zeit,
die Treue wird bestehen
in alle Ewigkeit