Falsch bin ich nicht

H. Proch

Am Freunde Schwächen zu ertragen,

das ist des Freundes höchste Pflicht;

d'rum tadle nimmer, wie ich's treibe,

du weißt ja doch: Falsch bin ich nicht.

Und wenn von mir das Heer der Spötter

aus Neid und Missgunst Böses spricht,

so sage du: Ich kenn' ihn besser

und schwöre d'rauf: Falsch ist er nicht!

Mag auch des Schicksals düst're Wolke

verdunkeln mir das Himmelslicht,

ich bleibe treu dem Ehrenpfande

und halte aus; falsch werd' ich nicht!

Damit einst du und jeder and're,

wenn meines Lebens Lampe bricht,

mir nachruft in die kühle Erde:

Er ruhe sanft - falsch war er nicht!