Frühlingswehmuth
H. Proch
Wenn auf all den grünen Räumen
wieder lebt und lacht der Mai,
weht es wie ein Liebesträumen
schauernd wieder mir vorbei.
Wie aus langem Schlaf erstehet
alter Schmerz und alte Lust,
die, vergessen und verschmähet,
tot mir lagen in der Brust.
Was an Blüten ich gefunden
auf der einst so lichten Bahn,
all die schönen früher'n Stunden
lächeln mich voll Wehmut an.
Seh' dann zwei Beglückte wallen,
von der Liebe Lenz durchglüht,
sehe, wie's zu Rosenhallen
rings auf ihrem Pfad erblüht,
seh' aus ihren Augen glänzen,
die von inn'rer Lust beseelt,
einen Himmel ohne Grenzen
und das Glück von einer Welt.
Und den heißen Wellenschäumen
eig'ner Sehnsucht wehr' ich kaum;
ach, nur einmal möcht' ich träumen
noch den ersten Liebestraum!