Gegenüber meinem Fenster

H. Proch

Gegenüber meinem Fenster

steht ein Brunnen rein und klar,

und zur Quelle freundlich rieselnd

zieht herbei der Mädchen Schar.

Und von allen sah ich eine,

ach, die war doch gar zu lieb!

Wenn die andern schon zu Hause,

sie allein am Brunnen blieb.

Sinnig sah sie auf mein Fenster,

und ich schaut' auf sie hinab,

pflückte Blumen aller Farben

für die holde Fremde ab.

Und der Blüten zarte Deutung

fasste sie mit treuem Sinn,

sah in ihnen nicht mehr Blumen,

sondern Liebesboten blüh'n.

Ach, die Zeit, sie ist entschwunden,

wo ich ihr die Blumen wand,

und wie ihrer Farben Schimmer

auch der Liebe Glück entschwand.

Gegenüber meinem Fenster

steht ein Brunnen rein und klar,

doch die Teure seh' ich nimmer,

die mein Glück - mein Alles war!